Drogen · Neue Cannabinoide

HHC und neue Cannabinoide: Wirkung, Risiken und Rechtslage

HHC-Vapes, THCP-Gummibärchen, Spice-Kräutermischungen: Neben Cannabis gibt es eine wachsende Zahl künstlicher Cannabinoide. Was über sie bekannt ist, warum sie riskanter sind als viele denken und was rechtlich gilt.

Seit einigen Jahren tauchen in Kiosken, Onlineshops und auf Schulhöfen Produkte auf, die wie Cannabis wirken sollen, aber anders heißen: HHC, HHC-P, THCP oder H4CBD. Sie wurden lange als legale Alternative vermarktet, in bunten Verpackungen, als Vape, Gummibärchen oder Blüten. Daneben gibt es seit langem synthetische Cannabinoide wie Spice, die mit Cannabis kaum noch etwas gemeinsam haben. Diese Seite erklärt, was diese Stoffe sind, wie sie wirken, welche Risiken bekannt sind und was rechtlich gilt.

Halbsynthetisch und synthetisch

Die Cannabispflanze enthält über hundert Cannabinoide. Am bekanntesten sind THC, das den Rausch verursacht, und CBD, das nicht berauschend wirkt. Die neuen Stoffe lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Halbsynthetische Cannabinoide wie HHC werden aus natürlichem CBD durch chemische Umwandlung hergestellt. Sie ähneln THC in Aufbau und Wirkung, sind aber kaum erforscht. Vollsynthetische Cannabinoide wie die Wirkstoffe in Spice werden komplett im Labor entwickelt. Sie docken an dieselben Rezeptoren an wie THC, wirken aber oft viel stärker und anders.

Beide Gruppen entstanden im wesentlichen aus demselben Grund: Hersteller wollten Gesetze umgehen. Sobald ein Stoff verboten wurde, kam eine leicht veränderte Variante auf den Markt. Dieses Katz-und-Maus-Spiel führt dazu, dass Konsumierende nie genau wissen, welche Substanz in welcher Menge sie zu sich nehmen.

HHC und seine Varianten

HHC steht für Hexahydrocannabinol. Es wurde ab etwa 2022 in Europa in großem Stil verkauft, als Liquid für E-Zigaretten, als Öl, als besprühte Hanfblüten oder in Süßigkeiten. Die Wirkung ähnelt der von THC: Entspannung, Euphorie, veränderte Wahrnehmung, Hunger, aber auch Herzrasen, Schwindel, Angst und Paranoia. Viele Konsumierende beschreiben HHC als etwas schwächer als THC, doch die Stärke schwankt stark je nach Produkt.

Auf HHC folgten Varianten wie HHC-P, HHC-O, THCP oder H4CBD. Einige davon wirken nach Berichten von Konsumierenden und ersten Laboruntersuchungen um ein Vielfaches stärker als THC und halten länger an. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kam zu dem Schluss, dass bei HHC-haltigen Erzeugnissen mit psychoaktiven Wirkungen zu rechnen ist, die denen von THC vergleichbar sind, und dass gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können. Langzeitstudien gibt es nicht. Hinzu kommen mögliche Reste von Lösungsmitteln und Nebenprodukten aus der Herstellung, die nirgends deklariert werden.

Synthetische Cannabinoide

Synthetische Cannabinoide sind seit etwa 2008 als Kräutermischungen wie Spice bekannt. Dabei wird ein Pflanzenmaterial mit hochpotenten Wirkstoffen besprüht und als Räuchermischung verkauft. Heute werden sie auch in Liquids, Papier oder Pulver gehandelt und in Haftanstalten geschmuggelt. Diese Stoffe wirken nicht wie eine stärkere Form von Cannabis, sondern unberechenbar: Herzrasen, Bluthochdruck, Krampfanfälle, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, Panikattacken und akute Psychosen sind häufig. Es gab auch in Deutschland Todesfälle.

Ein wachsendes Problem ist die Beimischung. In mehreren europäischen Ländern wurden Cannabisblüten und Haschisch vom Schwarzmarkt gefunden, die mit synthetischen Cannabinoiden besprüht waren, ohne dass Käufer davon wussten. Wer bei gewohnter Menge plötzlich eine ungewöhnlich starke oder fremdartige Wirkung erlebt, sollte den Konsum sofort beenden und bei körperlichen Beschwerden Hilfe holen.

Im Notfall: Krampfanfälle, Brustschmerzen, Herzrasen, Bewusstlosigkeit, wiederholtes Erbrechen oder starke Verwirrtheit nach dem Konsum von HHC, Spice oder unbekanntem Cannabis sind ein medizinischer Notfall. Wählen Sie den Notruf 112 und sagen Sie, was konsumiert wurde. Mehr auf der Seite Medizinische Notfälle und dringende Hilfe.

Risiken

Für HHC und seine Varianten gelten im großen und ganzen die Risiken von Cannabis, verstärkt durch die Unsicherheit über Stoff, Menge und Reinheit. Dazu gehören Angst, Panik und Herzrasen bei zu hoher Menge, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, ein erhöhtes Risiko für Psychosen bei entsprechender Veranlagung und die Entwicklung einer Abhängigkeit. Für junge Menschen, deren Gehirn sich noch entwickelt, sind diese Risiken besonders hoch.

Bei Vapes kommt hinzu, dass die Menge schwer einzuschätzen ist. Ein Zug folgt dem nächsten, ohne dass eine klare Einheit erkennbar ist. Bei Gummibärchen setzt die Wirkung verzögert ein, viele legen deshalb nach und erleben dann einen unerwartet heftigen Rausch. Wer zum ersten mal Esswaren mit Cannabinoiden probiert, unterschätzt das des öfteren. Kinder können solche Produkte mit normalen Süßigkeiten verwechseln, was zu Vergiftungen führen kann.

Bei vollsynthetischen Cannabinoiden sind die Risiken noch einmal deutlich größer. Hier kann schon eine kleine Menge zu schweren Vergiftungen führen, und die Abhängigkeit entwickelt sich oft schnell, mit unangenehmen Entzugssymptomen wie Unruhe, Schlafstörungen, Schwitzen und Übelkeit.

Rechtslage

HHC war lange nicht ausdrücklich verboten, weil es weder im Betäubungsmittelgesetz noch im Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz stand. Das hat sich geändert. Seit dem 27. Juni 2024 sind Herstellung und Handel von HHC und anderen halbsynthetischen Cannabinoiden wie HHC-P und THCP nach dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz verboten. Besitz und Konsum sind nach diesem Gesetz nicht strafbar.

Vollsynthetische Cannabinoide sind seit Jahren über ganze Stoffgruppen im Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz erfasst, viele einzelne Stoffe stehen im Betäubungsmittelgesetz. Für THC-haltiges Cannabis gelten seit April 2024 die Regeln des Konsumcannabisgesetzes mit Altersgrenze, Besitzmengen und Anbauvereinigungen. Die Einzelheiten erklärt die Seite Cannabis. Wichtig ist ob ein Produkt aus legaler Quelle stammt: Was online oder im Kiosk als legal beworben wird, ist es häufig nicht. Wer unsicher ist, was nach geltendem Recht erlaubt ist, kann sich bei einer Drogenberatungsstelle erkundigen.

Junge Menschen und Vapes

HHC-Produkte haben besonders junge Menschen erreicht. Bunte Vapes mit Fruchtgeschmack, Gummibärchen und die Behauptung, alles sei legal, senkten die Hemmschwelle. Jugendliche die nach der Cannabis-Teillegalisierung keinen legalen Zugang zu Cannabis haben, greifen des öfteren auf solche Produkte zurück. Wer HHC kauft um ein vermeintlich harmloses Cannabis zu bekommen, weiß in Wahrheit nicht, was er konsumiert.

Eltern sollten das Thema sachlich ansprechen. Abschreckende Übertreibungen wirken selten, ehrliche Information über unbekannte Inhaltsstoffe und die Risiken für das jugendliche Gehirn dagegen oft schon. Mehr zur Gesprächsführung auf der Seite Unterstützung für Angehörige.

Wenn Konsum zum Problem wird

  • Der Vape oder die Gummibärchen sind täglich dabei, auch morgens oder in der Schule und bei der Arbeit.
  • Ohne Konsum treten Unruhe, Gereiztheit, Schlafprobleme oder Appetitlosigkeit auf.
  • Die Menge steigt, oder es wird auf stärkere Varianten gewechselt.
  • Hobbys, Freunde, Schule oder Ausbildung treten in den Hintergrund.
  • Es treten Angst, Panikattacken oder seltsame Gedanken auf, und trotzdem wird weiter konsumiert.

Ob sich eine Abhängigkeit entwickelt hat, zeigt sich ob Pausen gelingen. Die Merkmale entsprechen im allgemeinen denen einer Cannabisabhängigkeit, wie sie das Glossar unter Abhängigkeit beschreibt.

Hilfe

Wer weniger oder gar nicht mehr konsumieren möchte, findet bei Suchtberatungsstellen Unterstützung, für junge Menschen oft in eigenen Jugendsuchtberatungen. drugcom.de bietet Information, Beratung per Chat und E-Mail sowie das Onlineprogramm Quit the Shit für den Ausstieg aus dem Cannabiskonsum, das sich auch bei HHC nutzen lässt. Die Frage ob der Ausstieg allein gelingt, hängt davon ab, wie stark sich der Konsum in den Alltag eingegraben hat. Begleitung erhöht die Chancen deutlich.

Bei psychischen Beschwerden wie anhaltender Angst, depressiver Stimmung oder psychotischen Symptomen sollte zusätzlich eine Ärztin oder ein Psychotherapeut hinzugezogen werden. PrevNet gibt keine Empfehlungen zu Medikamenten.

Quellen und Stand

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung: Psychoaktive Wirkungen durch HHC-haltige Erzeugnisse zu erwarten (Bewertung von HHC)
  2. Legal Tribune Online: Wirbel um Cannabis-Variante HHC (rechtlicher Hintergrund des Verbots)
  3. BIÖG, drugcom.de: Drogenlexikon und Quit the Shit (Cannabinoide, Ausstiegsprogramm)
  4. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Suchthilfeverzeichnis (Beratungsstellen)

Autor: Redaktion PrevNet. Veröffentlicht am 3. Oktober 2026, letzte inhaltliche Prüfung durch die Redaktion am 3. Oktober 2026. Eine medizinische Fachprüfung durch externe Expertinnen oder Experten hat für diesen Artikel noch nicht stattgefunden.

Häufige Fragen

Fragen, die oft gestellt werden

Ist HHC in Deutschland noch erlaubt?

Seit dem 27. Juni 2024 sind Herstellung und Handel von HHC und verwandten halbsynthetischen Cannabinoiden wie HHC-P und THCP nach dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz verboten. Besitz und Konsum sind nach diesem Gesetz nicht strafbar. Wer HHC-Produkte trotzdem verkauft, handelt illegal.

Ist HHC harmloser als Cannabis?

Das lässt sich nicht sagen, weil HHC kaum erforscht ist. Die Wirkung ähnelt der von THC, die Stärke schwankt aber stark zwischen Produkten. Hinzu kommen unbekannte Reste aus der chemischen Herstellung. Varianten wie HHC-P wirken teils deutlich stärker. Von harmlos kann deshalb keine Rede sein.

Was sind synthetische Cannabinoide wie Spice?

Das sind im Labor entwickelte Stoffe, die an denselben Rezeptoren wie THC ansetzen, aber oft um ein Vielfaches stärker wirken. Sie werden auf Kräutermischungen gesprüht oder in Liquids gemischt. Sie haben mit Cannabis kaum noch etwas gemeinsam und können zu Krampfanfällen, Herzproblemen, Psychosen und Todesfällen führen.

Kann normales Cannabis mit synthetischen Cannabinoiden versetzt sein?

Ja, das kommt vor. In Europa wurden immer wieder Cannabisblüten und Haschisch vom Schwarzmarkt gefunden, die mit synthetischen Cannabinoiden besprüht waren. Für Konsumierende ist das nicht erkennbar. Warnzeichen sind eine ungewöhnlich starke oder untypische Wirkung, Herzrasen, Übelkeit oder Verwirrtheit.

Wo finde ich Hilfe, wenn ich vom Kiffen oder von HHC loskommen will?

Bei Suchtberatungsstellen, der Onlineberatung DigiSucht und bei drugcom.de, wo es auch das Ausstiegsprogramm Quit the Shit gibt. Die Angebote sind kostenlos und anonym. Ausführliche Informationen zu Cannabis finden Sie auf unserer Cannabisseite.

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