Hilfe

Passende Hilfe bei Suchtproblemen finden

Beratung vor Ort, anonym online, am Telefon, in der Selbsthilfe oder in der Behandlung: Welche Hilfe zu welcher Situation passt, wie der Einstieg funktioniert und welche externen Angebote es in Deutschland gibt.

Das deutsche Suchthilfesystem ist gut ausgebaut, aber von außen schwer zu durchschauen. Beratungsstelle, Entgiftung, Entwöhnung, Selbsthilfe, Substitution, Onlineberatung: Wer Hilfe sucht steht vor vielen Begriffen und weiß oft nicht, wo er anfangen soll. Diese Seite ordnet die Angebote bei Suchtproblemen, erklärt den typischen Weg, hilft die passende Hilfe für die eigene Situation zu finden und nennt die externen Anlaufstellen mit Zeiten und Kosten. PrevNet selbst berät nicht; alle Angebote stammen von anderen Trägern.

Der erste Schritt: wohin zuerst

Für fast alle Situationen gilt derselbe Rat: Der Einstieg läuft über eine Suchtberatungsstelle oder über eines der Online- und Telefonangebote. Dort wird geklärt, worum es geht, und alles weitere gemeinsam geplant. Sie müssen nicht wissen, ob Sie abhängig sind. Sie müssen nicht entschieden haben, aufzuhören. Sie müssen auch nicht selbst betroffen sein; Angehörige sind ebenso willkommen.

Welche Hilfe zu welcher Situation passt
Ihre SituationSinnvoller erster Schritt
Sie sind unsicher, ob Ihr Konsum ein Problem istOnlineberatung oder Telefon für eine erste anonyme Einschätzung; Selbsttests der Fachstellen
Sie möchten persönlich mit jemandem sprechenSuchtberatungsstelle vor Ort, offene Sprechstunde oder Termin
Sie trinken oder konsumieren seit Langem viel und wollen aufhörenHausärztliche Praxis wegen der Entzugsrisiken plus Beratungsstelle für die Planung
Sie nehmen Opioide und möchten stabiler lebenDrogenberatungsstelle; dort Information zu Substitution und Entzug
Sie spielen und haben SchuldenTelefonberatung Glücksspielsucht, Spielersperre, Beratungsstelle mit Schuldnerberatung
Sie sind Angehöriger oder ElternteilSuchtberatungsstelle, auch ohne die betroffene Person; Angehörigengruppen
Sie sind jung und möchten nicht, dass Eltern davon erfahrenNummer gegen Kummer, drugcom.de, Jugendberatung der Suchtberatungsstelle
Es ist ein medizinischer NotfallNotruf 112; bei dringenden Beschwerden ohne Lebensgefahr 116 117. Siehe Notfallseite

Suchtberatung vor Ort

Suchtberatungsstellen gibt es in jeder größeren Stadt und in den meisten Landkreisen, getragen von Wohlfahrtsverbänden wie Caritas, Diakonie, AWO oder Drogenhilfevereinen und finanziert von Kommunen und Ländern. Sie sind die zentrale Anlaufstelle des Hilfesystems. Dort arbeiten Sozialarbeiterinnen, Psychologen und Suchttherapeuten, die beraten, einschätzen, vermitteln und oft auch selbst ambulant behandeln. Die Beratung ist kostenlos, unterliegt der Schweigepflicht und ist auf Wunsch anonym. Viele Stellen haben offene Sprechstunden ohne Termin.

Typische Leistungen sind das Erstgespräch und die Klärung der Situation, Motivations- und Begleitgespräche, Vermittlung in Entzug oder Entwöhnung einschließlich der Antragstellung beim Kostenträger, ambulante Rehabilitation, Nachsorge nach einer Klinik, Gruppenangebote, Beratung für Angehörige und Zusammenarbeit mit Schuldnerberatung, Jugendamt oder Arbeitsagentur. Menschen die zum ersten mal eine Beratungsstelle betreten, sind oft überrascht, wie unspektakulär es zugeht: ein Büro, ein Gespräch, keine Formulare im ersten Schritt. Über das Suchthilfeverzeichnis der DHS finden Sie Stellen in Ihrer Nähe, filterbar nach Thema und Zielgruppe.

Was Sie zum ersten Gespräch mitbringen

Nichts, was Sie nicht ohnehin haben. Eine Krankenkassenkarte ist für die Beratung nicht nötig, ein Ausweis ebenfalls nicht, wenn Sie anonym bleiben möchten. Hilfreich ist, sich vorher ein paar Fragen zu notieren: Seit wann besteht das Problem, was wurde schon versucht, was soll sich ändern. Wer sich unsicher ist, ob die Beratungsstelle die richtige Adresse ist, kann das am Telefon klären, bevor er hingeht. Angehörige können allein kommen, gemeinsam mit der betroffenen Person oder zunächst ohne deren Wissen.

Onlineberatung und Telefon

Wer lieber schreibt als spricht, zunächst anonym bleiben möchte oder abends Zeit hat, findet mit den Online- und Telefonangeboten einen niedrigschwelligen Einstieg. DigiSucht ist die bundesweite Onlineberatungsplattform der Suchthilfe: kostenlos, anonym, mit Fachkräften aus Beratungsstellen, per Nachricht oder Videogespräch. drugcom.de, ein Angebot des BIÖG, berät per E-Mail und Chat speziell zu Drogen und Partydrogen und bietet Ausstiegsprogramme an. Am Telefon gibt es die Sucht & Drogen Hotline für alle Suchtfragen sowie die BIÖG-Beratungen zu Glücksspiel, Rauchstopp und Suchtvorbeugung. Onlineberatung ersetzt keine Behandlung, ist aber des öfteren der Schritt, der den Weg zur Beratungsstelle überhaupt erst öffnet.

Ärztliche Hilfe

Die hausärztliche Praxis ist für die medizinische Seite zuständig: Blutwerte, körperliche Folgen, die Frage welche Form des Entzugs sicher ist, Medikamente zur Unterstützung, Überweisungen zu Fachärzten oder in eine Klinik. Bei Alkohol, Benzodiazepinen und Opioiden ist ärztliche Begleitung vor dem Absetzen zwingend, weil ein eigenmächtiger Entzug gefährlich sein kann. Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht. Wer sich scheut, das Thema anzusprechen, kann mit einem allgemeinen Check beginnen und das Gespräch von dort aus führen. Für psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapeuten zuständig; Beratungsstellen helfen bei der Suche nach Behandlungsplätzen.

Entzug, Therapie und Rehabilitation

Die Behandlung einer Abhängigkeit folgt im allgemeinen mehreren Stufen, die nicht alle für jeden nötig sind. Die Entgiftung oder der qualifizierte Entzug behandelt die körperlichen Folgen des Absetzens, meist im Krankenhaus über ein bis drei Wochen; Kostenträger ist die Krankenkasse. Die Entwöhnungsbehandlung, auch Suchtrehabilitation genannt, arbeitet an den Ursachen und am Leben ohne Suchtmittel: ambulant über mehrere Monate neben dem Alltag, ganztägig ambulant oder stationär in einer Fachklinik über acht bis sechzehn Wochen. Kostenträger ist meist die Rentenversicherung; den Antrag stellt die Beratungsstelle mit Ihnen. Danach folgen Nachsorge, Selbsthilfe und bei Bedarf Adaption, eine Phase der Wiedereingliederung in Arbeit und Alltag.

Bei Opioidabhängigkeit ist die Substitution ein eigener, gleichwertiger Weg. Bei Verhaltenssüchten wie Glücksspiel oder Computerspielen steht die Psychotherapie im Vordergrund, stationäre Angebote gibt es ebenfalls. Der Weg der zu Ihnen passt, ergibt sich aus der Beratung; es gibt keine Pflicht, alle Stufen zu durchlaufen. Ein Rückfall bedeutet nicht, von vorn zu beginnen, sondern den Kontakt zur Hilfe wieder aufzunehmen.

Kosten, Dauer und Wartezeiten

Beratung kostet nichts und beginnt meist innerhalb weniger Tage, offene Sprechstunden sofort. Für einen stationären Entzug gibt es in den meisten Regionen Plätze innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen; akute Notfälle werden sofort aufgenommen. Die Bewilligung einer Entwöhnungsbehandlung durch den Kostenträger dauert in der Regel einige Wochen, der Klinikplatz folgt je nach Einrichtung kurz danach. In dieser Wartezeit begleitet die Beratungsstelle weiter, damit die Motivation nicht verloren geht. Psychotherapieplätze bei niedergelassenen Therapeuten haben oft längere Wartezeiten; die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen unter 116 117 vermitteln Erstgespräche. Wer die Zeit bis zum Behandlungsbeginn überbrücken muss, kann Selbsthilfegruppen und Onlineberatung parallel nutzen.

Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen begleiten viele Menschen über Jahre und sind für manche der wichtigste Halt. Der Austausch mit Menschen, die dieselben Erfahrungen gemacht haben, ohne Fachleute und ohne Protokoll, hat eine eigene Qualität. In Deutschland gibt es die großen Sucht-Selbsthilfeverbände der Wohlfahrtsverbände, Anonyme Alkoholiker, Anonyme Spieler und Narcotics Anonymous, Gruppen für Angehörige wie Al-Anon sowie zahlreiche freie Gruppen. Suchtberatungsstellen und die Selbsthilfekontaktstellen der Kommunen wissen, welche Gruppen es vor Ort gibt, viele Gruppen treffen sich inzwischen auch online. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich; niemand muss dort sprechen, wenn er nicht will. Ob eine Gruppe passt zeigt sich oft erst nach zwei oder drei Besuchen; es ist in Ordnung, mehrere auszuprobieren. Mehr dazu im Glossar unter Sucht-Selbsthilfe.

Spezielle Angebote nach Thema und Zielgruppe

Für einige Themen gibt es spezialisierte Zugänge, die den allgemeinen Weg ergänzen. Bei Glücksspiel ist die Spielersperre über OASIS ein sofort wirksamer Schutz, und viele Beratungsstellen arbeiten eng mit Schuldnerberatungen zusammen. Beim Rauchstopp sind die Telefonberatung des BIÖG, Kurse der Krankenkassen und die hausärztliche Praxis die passenden Adressen. Für Jugendliche gibt es Jugendberatungen, Streetwork und anonyme Angebote wie drugcom.de und die Nummer gegen Kummer. Für Kinder aus suchtbelasteten Familien bündelt Hilfen im Netz die Angebote von NACOA und KidKit. Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung finden in größeren Städten zunehmend zielgruppenspezifische Beratung; das DHS-Verzeichnis lässt sich danach filtern. Was als nächstes passt, lässt sich mit jeder der genannten Stellen klären.

Alle externen Kontakte im Überblick

Externe Beratungs- und Hilfsangebote für Deutschland
AnliegenAngebot (extern)Erreichbarkeit und Kosten
Beratungsstelle in Ihrer NäheDHS-SuchthilfeverzeichnisSuche nach Ort, Thema und Zielgruppe. Beratung kostenlos. Einrichtungsdaten beruhen auf Selbstauskünften.
Anonyme OnlineberatungDigiSuchtKostenlos und anonym, Registrierung auf der Plattform.
Drogenfragen per E-Mail oder Chatdrugcom.de BeratungKostenlos; Zeiten der Chatberatung beim Anbieter prüfen.
Sucht- und Drogenfragen am TelefonSucht & Drogen Hotline: 01806 313031Täglich 8 bis 24 Uhr. 0,20 Euro je Anruf aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz.
Fragen zur SuchtvorbeugungBIÖG-Infotelefon: 0221 892031Mo bis Do 10 bis 22 Uhr, Fr bis So 10 bis 18 Uhr. Festnetztarif.
GlücksspielsuchtBIÖG-Telefonberatung: 0800 1372700Mo bis Do 10 bis 22 Uhr, Fr bis So 10 bis 18 Uhr. Kostenlos.
RauchstoppBIÖG-Telefonberatung: 0800 8313131Mo bis Do 10 bis 22 Uhr, Fr bis So 10 bis 18 Uhr. Kostenlos.
SpielersperreOASIS, Regierungspräsidium DarmstadtOffizielle Anträge und Informationen. Kostenlos.
Kinder und JugendlicheNummer gegen Kummer: 116 111Mo bis Sa 14 bis 20 Uhr. Aus Deutschland kostenlos.
Kinder aus suchtbelasteten FamilienHilfen im NetzAngebote von NACOA und KidKit, online und anonym.
Lebensbedrohlicher NotfallNotruf: 112Rund um die Uhr. Keine Suchtberatung.
Dringende Beschwerden ohne LebensgefahrÄrztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117Bundesweit, rund um die Uhr, kostenlos.

Externe Angebote anderer Träger. Angaben nach den Websites der Anbieter, zuletzt geprüft am 2. Oktober 2026. Maßgeblich sind die Angaben der Anbieter; Hinweise auf Änderungen nimmt die Redaktion über die im Impressum genannte Supportadresse entgegen.

Quellen und Stand

  1. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Suchthilfeverzeichnis
  2. DigiSucht: Onlineberatung der Suchthilfe
  3. BIÖG: Sucht & Drogen Hotline
  4. BIÖG: Telefonberatung Glücksspielsucht
  5. BIÖG: Telefonberatung Rauchentwöhnung
  6. BIÖG: Infotelefon Suchtvorbeugung
  7. Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon
  8. 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Autor: Redaktion PrevNet. Veröffentlicht am 2. Oktober 2026, letzte inhaltliche Prüfung durch die Redaktion am 2. Oktober 2026. Eine medizinische Fachprüfung durch externe Expertinnen oder Experten hat für diesen Artikel noch nicht stattgefunden.

Häufige Fragen

Fragen, die oft gestellt werden

Brauche ich eine Überweisung oder Diagnose für die Suchtberatung?

Nein. Suchtberatungsstellen sind ohne Überweisung, ohne Diagnose und ohne Krankenkassenkarte zugänglich. Sie können einfach anrufen oder in die offene Sprechstunde kommen. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.

Was passiert beim ersten Gespräch?

Im Erstgespräch geht es darum, Ihre Situation zu verstehen: Was ist los, seit wann, was haben Sie schon versucht, was wünschen Sie sich. Die Beraterin oder der Berater ordnet ein und schlägt mögliche nächste Schritte vor. Sie müssen nichts entscheiden und nichts versprechen. Oft folgen weitere Gespräche, in denen ein Plan entsteht.

Wer bezahlt eine Therapie?

Beratung ist kostenlos. Einen Entzug im Krankenhaus bezahlt die Krankenkasse. Eine Entwöhnungsbehandlung, ambulant oder in einer Fachklinik, übernimmt in der Regel die Rentenversicherung, in manchen Fällen die Krankenkasse. Den Antrag stellen Sie mit Hilfe der Beratungsstelle, die auch den nötigen Sozialbericht schreibt. Psychotherapie bei niedergelassenen Therapeuten bezahlt die Krankenkasse.

Erfährt mein Arbeitgeber davon?

Nein. Beratungsstellen, Ärztinnen, Ärzte und Kliniken unterliegen der Schweigepflicht. Bei einer stationären Behandlung erhält der Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ohne Diagnose. Ob Sie Ihren Arbeitgeber einweihen, entscheiden Sie selbst; in manchen Betrieben gibt es Suchtbeauftragte, die unterstützen können.

Ich bin Angehöriger. Gilt das alles auch für mich?

Ja. Alle genannten Beratungsangebote stehen Angehörigen offen, unabhängig davon, ob die betroffene Person etwas ändern will. Es gibt eigene Angehörigengruppen und spezielle Angebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Mehr dazu auf der Seite für Angehörige.

Nächster Schritt

Der erste Kontakt ist der schwerste. Danach wird es leichter.

Ob Telefon, Chat oder Beratungsstelle: Jeder dieser Wege führt zu Menschen, die sich auskennen und nicht urteilen. Alle Angebote stammen von externen Trägern.