Glossar

Suchtglossar: 20 wichtige Begriffe verständlich erklärt

Die Fachsprache der Suchthilfe in verständlichen Worten: 20 Begriffe mit kurzer Definition und je einer ausführlichen Begriffseite, geordnet in fünf Gruppen.

Wer sich mit Sucht beschäftigt, ob als Betroffener, Angehöriger oder aus Interesse, begegnet schnell Begriffen, die in Beratungsgesprächen, Arztbriefen und Klinikprospekten wie selbstverständlich benutzt werden: Craving, qualifizierter Entzug, Substitution, Doppeldiagnose. Dieses Suchtglossar erklärt 20 wichtige Begriffe kurz und verständlich. Jeder Begriff hat zusätzlich eine eigene Seite mit Hintergrund, Abgrenzungen, Beispielen, Hilfehinweisen und häufigen Fragen.

Das Glossar ist eine Verständnishilfe, kein Diagnoseinstrument. Eine Definition sagt Ihnen, was ein Begriff bedeutet, nicht ob er auf Sie zutrifft. Diese Einschätzung gehört in ein Gespräch mit einer Beratungsstelle oder einer Ärztin oder einem Arzt. Die Definitionen folgen im allgemeinen den Begriffen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, der WHO und der einschlägigen Leitlinien; wo ein Begriff umstritten ist, wie bei der Co-Abhängigkeit, sagen wir das. Wer ein Wort sucht findet es über die Filterfunktion oder über die fünf Gruppen; alle Begriffe stehen auch ohne Filter vollständig auf dieser Seite.

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Grundlagen und Konsum

Abhängigkeit
Eine Abhängigkeit ist eine Erkrankung, bei der der Konsum einer Substanz oder ein Verhalten nicht mehr frei gesteuert werden kann. Kennzeichen sind starkes Verlangen, Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen, Vernachlässigung anderer Lebensbereiche und Weiterkonsum trotz Schäden. Die Diagnose stellen Fachleute anhand internationaler Kriterien. Ausführlich: Abhängigkeit
Riskanter Konsum
Riskanter Konsum bezeichnet ein Konsummuster, das die Wahrscheinlichkeit für körperliche, psychische oder soziale Schäden erhöht, ohne dass bereits Schäden eingetreten sind oder eine Abhängigkeit vorliegt. Der Begriff hilft, Probleme früh zu erkennen. Einen allgemein sicheren Grenzwert gibt es für Alkohol nach aktuellem Stand nicht. Ausführlich: Riskanter Konsum
Schädlicher Gebrauch
Schädlicher Gebrauch liegt vor, wenn der Konsum einer Substanz bereits nachweisbar zu körperlichen oder psychischen Schäden geführt hat, die Kriterien einer Abhängigkeit aber nicht erfüllt sind. Er ist eine eigenständige Diagnose der internationalen Klassifikation und ein deutliches Signal, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ausführlich: Schädlicher Gebrauch
Kontrollverlust
Kontrollverlust bedeutet, dass Beginn, Menge, Dauer oder Beendigung eines Konsums oder Verhaltens nicht mehr wie beabsichtigt gesteuert werden können. Er ist ein zentrales Merkmal von Abhängigkeit und Verhaltenssüchten. Entscheidend ist nicht die Häufigkeit, sondern die Erfahrung, anders zu handeln als vorgenommen. Ausführlich: Kontrollverlust

Suchterleben und Anpassung

Craving
Craving, deutsch Suchtdruck, ist ein starkes, oft plötzliches Verlangen nach einer Substanz oder einem Verhalten. Es wird durch Orte, Situationen, Gefühle oder Erinnerungen ausgelöst und kann auch nach langer Abstinenz auftreten. Craving ist ein Kernmerkmal der Abhängigkeit und ein häufiger Auslöser von Rückfällen. Ausführlich: Craving
Toleranzentwicklung
Toleranzentwicklung beschreibt die Anpassung des Körpers an eine regelmäßig zugeführte Substanz: Dieselbe Menge wirkt schwächer, für die gewohnte Wirkung braucht es mehr. Sie ist ein Hinweis auf körperliche Gewöhnung und ein Kriterium der Abhängigkeit. Nach einer Konsumpause sinkt die Toleranz wieder, was Überdosierungen begünstigt. Ausführlich: Toleranzentwicklung
Entzugssyndrom
Das Entzugssyndrom umfasst die körperlichen und psychischen Beschwerden, die auftreten, wenn eine Substanz nach regelmäßigem Konsum reduziert oder abgesetzt wird. Art und Schwere hängen von der Substanz ab; bei Alkohol und Benzodiazepinen kann der Entzug lebensbedrohlich sein und gehört in ärztliche Begleitung. Ausführlich: Entzugssyndrom
Verhaltenssucht
Verhaltenssucht bezeichnet Abhängigkeiten ohne Substanz, bei denen ein Verhalten die Merkmale einer Sucht zeigt: Kontrollverlust, Vorrang vor anderen Lebensbereichen, Fortsetzung trotz Schäden. International anerkannt sind die Glücksspielstörung und die Computerspielstörung. Nicht jedes intensive Verhalten ist deshalb eine Sucht. Ausführlich: Verhaltenssucht

Medizinische Behandlung

Entgiftung
Entgiftung ist die medizinische Behandlung des körperlichen Entzugs, meist im Krankenhaus. Entzugserscheinungen werden überwacht und bei Bedarf mit Medikamenten gelindert, Komplikationen behandelt. Sie dauert Tage bis etwa zwei Wochen und ist der erste Schritt, nicht die Therapie der Abhängigkeit. Mit Wellness-Detox hat sie nichts zu tun. Ausführlich: Entgiftung
Qualifizierter Entzug
Der qualifizierte Entzug verbindet die körperliche Entgiftung mit psychotherapeutischen, motivierenden und sozialarbeiterischen Elementen. Er dauert meist zwei bis drei Wochen, findet stationär statt und bereitet den Übergang in eine weiterführende Behandlung vor. Ziel ist, dass nach dem Entzug nicht die Lücke, sondern ein Plan folgt. Ausführlich: Qualifizierter Entzug
Entwöhnungsbehandlung
Die Entwöhnungsbehandlung, auch Suchtrehabilitation, ist die eigentliche Therapie der Abhängigkeit nach dem Entzug. Sie findet ambulant über Monate oder stationär in einer Fachklinik über mehrere Wochen statt und arbeitet an Ursachen, Alternativen und Rückfallvorbeugung. Kostenträger ist meist die Rentenversicherung; den Antrag begleitet die Suchtberatung. Ausführlich: Entwöhnungsbehandlung
Substitution
Substitution ist die ärztlich verordnete Behandlung einer Opioidabhängigkeit mit einem lang wirkenden Opioid wie Methadon oder Buprenorphin. Sie verhindert Entzug und Verlangen ohne Rausch, senkt Sterblichkeit und Infektionsrisiken und stabilisiert den Alltag. Begleitet wird sie durch psychosoziale Betreuung. Dosierung und Medikament legt die Ärztin oder der Arzt fest. Ausführlich: Substitution

Alltag und weitere Einordnung

Abstinenz
Abstinenz bedeutet den vollständigen Verzicht auf eine Substanz oder ein Suchtverhalten. Sie ist für viele Menschen mit Abhängigkeit das sicherste Behandlungsziel, aber nicht das einzige mögliche: Reduktion, Substitution und Schadensminderung sind anerkannte Alternativen oder Zwischenschritte. Abstinenz ist ein Weg, kein Charakterzeugnis. Ausführlich: Abstinenz
Rückfall
Ein Rückfall ist die Wiederaufnahme des Konsums oder Verhaltens nach einer Phase der Abstinenz oder Kontrolle. Fachleute unterscheiden den einmaligen Ausrutscher vom Rückfall in alte Muster. Rückfälle gehören bei Suchterkrankungen zum Verlauf; sie sind kein Scheitern, sondern ein Anlass, die Behandlung anzupassen. Ausführlich: Rückfall
Doppeldiagnose
Doppeldiagnose bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen einer Suchterkrankung und einer weiteren psychischen Erkrankung, etwa einer Depression, Angststörung, ADHS oder Psychose. Beide beeinflussen sich gegenseitig und sollten abgestimmt behandelt werden. Fachleute sprechen auch von Komorbidität; der Begriff ist im Suchthilfekontext gebräuchlich. Ausführlich: Doppeldiagnose
Harm Reduction
Harm Reduction, deutsch Schadensminderung, umfasst Maßnahmen, die gesundheitliche und soziale Schäden des Konsums verringern, ohne Abstinenz vorauszusetzen: Spritzentausch, Drogenkonsumräume, Naloxon-Programme, Substanzanalysen, Substitution. Sie hält Menschen am Leben und im Kontakt mit dem Hilfesystem und ist ein anerkannter Teil der Suchthilfe. Ausführlich: Harm Reduction

Frühe Hilfe und soziales Umfeld

Frühintervention
Frühintervention meint kurze, gezielte Unterstützung für Menschen, die riskant konsumieren oder erste Folgen zeigen, aber noch nicht abhängig sind. Beispiele sind Kurzberatungen in der Arztpraxis, Programme nach einer Alkoholvergiftung bei Jugendlichen oder Gespräche am Arbeitsplatz. Sie wirkt, weil die Veränderungsbereitschaft in solchen Momenten oft hoch ist. Ausführlich: Frühintervention
Psychosoziale Betreuung
Psychosoziale Betreuung ist die sozialarbeiterische und beratende Begleitung von Menschen mit Suchterkrankung, insbesondere in der Substitution. Sie unterstützt bei Wohnung, Arbeit, Schulden, Behörden, Gesundheit und Beziehungen und ergänzt die medizinische Behandlung. Getragen wird sie meist von Suchtberatungsstellen. Ausführlich: Psychosoziale Betreuung
Sucht-Selbsthilfe
Sucht-Selbsthilfe bezeichnet Gruppen, in denen Betroffene und Angehörige sich ohne professionelle Leitung gegenseitig unterstützen. Dazu gehören Verbände der Wohlfahrtspflege, Anonyme Alkoholiker, Anonyme Spieler und viele freie Gruppen. Sie begleitet oft über Jahre, ist kostenlos und ergänzt Beratung und Behandlung, ersetzt sie aber nicht. Ausführlich: Sucht-Selbsthilfe
Co-Abhängigkeit
Co-Abhängigkeit ist ein umstrittener Begriff für Verhaltensmuster von Angehörigen, die eine Sucht ungewollt stützen, etwa durch Entschuldigen, Kontrollieren oder Übernehmen von Folgen. Er ist keine Diagnose. Kritiker bemängeln, dass er Angehörige pathologisiert; hilfreich bleibt der Kern: Angehörige brauchen eigene Unterstützung und tragen keine Schuld. Ausführlich: Co-Abhängigkeit

Wie Sie das Glossar nutzen

Die fünf Gruppen folgen einem Weg, den viele Betroffene gehen: von den Grundlagen über das Erleben der Sucht zur medizinischen Behandlung, zum Alltag danach und zum Umfeld, das mitträgt. Begriffe die Sie zum ersten mal hören, lesen Sie am besten zuerst in der Kurzfassung und dann auf der Begriffseite, wo Abgrenzungen und Beispiele folgen. Zeigt sich ob ein Begriff für Ihre Situation wichtig ist, führen die Begriffseiten weiter zu den passenden Hauptartikeln, etwa zu Alkoholsucht, Opioiden oder Angehörigen.

Das Glossar wird gepflegt wie die übrigen Artikel: Die Definitionen nennen ihre Quellen auf den Begriffseiten, und das Prüfdatum steht dort. Fehlt Ihnen ein Begriff, freuen wir uns über einen Hinweis an die Supportadresse im Impressum. Die Frage was als nächstes aufgenommen wird, entscheidet sich des öfteren an genau solchen Hinweisen; etwas neues kommt dazu, wenn es Lesern wirklich hilft. Der Grund warum wir bei 20 Begriffen begonnen haben, ist einfach: lieber wenige, die stimmen und die man versteht, als viele, die niemand liest.

Quellen und Stand

  1. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Süchte (Begriffe und Einordnung)
  2. WHO: Gambling, Factsheet (Verhaltenssucht, Glücksspielstörung)
  3. WHO: Gaming disorder, Fragen und Antworten (Computerspielstörung)
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Alkohol (Abhängigkeit, Entzug, Behandlung)

Autor: Redaktion PrevNet. Veröffentlicht am 2. Oktober 2026, letzte inhaltliche Prüfung durch die Redaktion am 2. Oktober 2026. Eine medizinische Fachprüfung durch externe Expertinnen oder Experten hat für diesen Artikel noch nicht stattgefunden.

Häufige Fragen

Fragen, die oft gestellt werden

Ersetzt das Glossar ein Gespräch mit Fachleuten?

Nein. Es erklärt Begriffe, damit Sie Gespräche besser verstehen und einordnen können. Ob ein Begriff auf Ihre Situation zutrifft, klärt eine Beratungsstelle, eine Ärztin oder ein Arzt. Hilfe steht auch ohne Diagnose offen.

Warum fehlen Begriffe wie Handysucht oder Kaufsucht?

Weil es dafür keine anerkannten Diagnosen gibt. Das Glossar konzentriert sich auf Begriffe, die in der Suchthilfe tatsächlich verwendet werden. Problematische Mediennutzung und ihre Einordnung behandelt PrevNet auf einer eigenen Themenseite.

Nach welchen Quellen sind die Definitionen formuliert?

Nach den Begriffen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, der Weltgesundheitsorganisation, des IQWiG und gültiger AWMF-Leitlinien. Jede Begriffseite nennt die Quellen, auf die sie sich stützt, und das Datum der letzten Prüfung durch die Redaktion.

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