Medizinische Notfälle und dringende Hilfe
Wann der Notruf 112 richtig ist, wann der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117, was Sie bis zum Eintreffen der Rettung tun können und wo es bei akuten seelischen Krisen rund um die Uhr Hilfe gibt.
Diese Seite ist anders als die übrigen Seiten von PrevNet. Sie erklärt nicht, sondern sortiert: Welche Situation ist ein Notfall, welche Nummer ist dann die richtige, was können Sie bis zum Eintreffen der Rettung tun, und wohin wenden Sie sich bei einer akuten seelischen Krise. Alle genannten Dienste werden von anderen Trägern betrieben. Suchtberatung ist für keine dieser Situationen zuständig; sie beginnt danach.
Wann Sie die 112 wählen
Der Notruf 112 ist für Situationen gedacht, in denen Lebensgefahr besteht oder nicht ausgeschlossen werden kann. Im Zusammenhang mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten sind das vor allem:
- Die Person ist bewusstlos oder reagiert nicht auf lautes Ansprechen und Rütteln an den Schultern.
- Die Atmung ist sehr flach, sehr langsam, unregelmäßig oder setzt aus; Lippen oder Fingernägel werden bläulich.
- Ein Krampfanfall tritt auf oder hält an.
- Starke Brustschmerzen, Herzrasen mit Atemnot oder Kreislaufzusammenbruch.
- Sehr hohe Körpertemperatur mit Verwirrtheit, etwa nach MDMA oder Amphetaminen.
- Schwere Verwirrtheit, Halluzinationen oder starke Erregung mit Eigen- oder Fremdgefährdung, auch im Entzug.
- Erbrechen bei getrübtem Bewusstsein, mit der Gefahr des Erstickens.
Wer unsicher ist ruft an. Die Leitstelle fragt gezielt nach und entscheidet, was geschickt wird. Ein unnötiger Anruf ist kein Problem; ein unterlassener kann tödlich sein. Sagen Sie am Telefon, wo Sie sind, was passiert ist, wie viele Personen betroffen sind und was konsumiert wurde, soweit Sie es wissen. Legen Sie nicht auf, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet.
Wann die 116 117 richtig ist
Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 ist für dringende Beschwerden zuständig, die nicht lebensbedrohlich sind, aber nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können: starke Entzugsbeschwerden ohne Krampfanfall oder Verwirrtheit, anhaltendes Erbrechen, hohes Fieber ohne Bewusstseinsstörung, starke Angstzustände nach Konsum, Fragen zu Medikamentenwechselwirkungen. Der Dienst ist bundesweit erreichbar, rund um die Uhr und kostenlos; er vermittelt an Bereitschaftspraxen oder schickt bei Bedarf einen Arzt. Zeigt sich ob die Lage schwerer ist als gedacht, leitet die 116 117 an den Rettungsdienst weiter. Im Zweifel zwischen beiden Nummern gilt die 112.
Was Sie bis zum Eintreffen tun können
Die wichtigsten Schritte der ersten Hilfe sind einfach und retten Leben. Erste Hilfe kann niemand falsch machen, außer sie zu unterlassen. Prüfen Sie, ob die Person ansprechbar ist. Atmet eine bewusstlose Person, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage, damit Erbrochenes abfließen kann und die Atemwege frei bleiben. Atmet sie nicht oder nur schnappend, beginnen Sie mit der Herzdruckmassage, kräftig und schnell in der Mitte des Brustkorbs, bis der Rettungsdienst übernimmt; die Leitstelle leitet Sie am Telefon an. Halten Sie die Person warm, Alkohol und viele Drogen senken die Körpertemperatur. Bei Überhitzung dagegen kühlen: an einen kühlen Ort bringen, Kleidung lockern, mit lauwarmem Wasser benetzen. Bleiben Sie bei der Person und lassen Sie sie nicht ausschlafen, wenn sie nicht erweckbar ist. Bewahren Sie Reste der konsumierten Substanz oder Verpackungen für die Rettungskräfte auf.
Bei Opioidüberdosierungen kann Naloxon die Atmung innerhalb von Minuten zurückbringen. Manche Konsumierende und Angehörige haben ein Naloxon-Nasenspray aus einem Schulungsprogramm. Wenn es vorhanden ist, geben Sie es nach Anleitung; der Notruf ist trotzdem zwingend, weil die Wirkung des Naloxons kürzer sein kann als die des Opioids.
Typische Notfälle nach Substanz
| Substanz | Typische Notfallzeichen | Besonderheit |
|---|---|---|
| Alkohol | Nicht erweckbar, Erbrechen, langsame Atmung, Unterkühlung, Krampfanfall | Alkoholvergiftung wird oft als Ausschlafen verkannt; Entzugskrampfanfälle und Delir bei abruptem Absetzen nach Dauerkonsum |
| Opioide (Heroin, Fentanyl, Schmerzmittel) | Sehr flache Atmung, stecknadelkopfgroße Pupillen, bläuliche Lippen, Bewusstlosigkeit | Atemstillstand innerhalb von Minuten möglich; Naloxon als Gegenmittel, Notruf trotzdem |
| Kokain, Amphetamine, Methamphetamin | Brustschmerzen, Herzrasen, Krampfanfall, Überhitzung, schwere Erregung oder Psychose | Herzinfarkt und Schlaganfall auch bei jungen Menschen; Kombination mit Alkohol erhöht Herzbelastung |
| MDMA, Ecstasy | Sehr hohe Temperatur, Verwirrtheit, Krampfanfall, Kreislaufkollaps | Hitzschlag und Wasservergiftung; verzögert wirkende Beimischungen |
| Benzodiazepine und Schlafmittel | Tiefe Bewusstlosigkeit, flache Atmung, besonders mit Alkohol oder Opioiden | Entzugskrampfanfälle bei abruptem Absetzen nach längerer Einnahme |
| Cannabis, synthetische Cannabinoide | Starke Angst, Herzrasen, Erbrechen, Kreislaufprobleme; bei synthetischen Produkten Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit | Pflanzliches Cannabis selten lebensbedrohlich; synthetische Cannabinoide deutlich gefährlicher |
| GHB/GBL | Plötzliche tiefe Bewusstlosigkeit, Atemdepression, Erbrechen | Sehr geringe Spanne zwischen Wirkung und Überdosis; nie allein lassen |
Die Tabelle hilft bei der Einordnung, ersetzt aber keine Entscheidung im Einzelfall. Menschen die mehrere Substanzen kombiniert haben, zeigen des öfteren untypische Bilder. Die Frage ob es ein Notfall ist, beantworten Sie im zweifel mit Ja und mit dem Anruf.
Akute seelische Krisen und Suizidgedanken
Suchterkrankungen gehen häufig mit Depressionen, Ängsten und Suizidgedanken einher, bei Glücksspielsucht und Alkoholabhängigkeit besonders oft. Eine akute seelische Krise ist ein Notfall, auch ohne körperliche Symptome. Wenn Sie selbst oder jemand in Ihrer Nähe daran denkt, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie es direkt an; das erhöht das Risiko nicht, im Gegenteil. Bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie die 112 oder fahren in die nächste psychiatrische Klinik, die rund um die Uhr aufnimmt.
Rund um die Uhr erreichbar und kostenfrei ist die Telefonseelsorge unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123, auch per Chat und Mail über telefonseelsorge.de. Sie ist für Betroffene wie für Angehörige da und anonym. Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111. Viele Städte haben außerdem sozialpsychiatrische Dienste und Krisendienste; der Moment in dem man sie zum ersten mal braucht, ist nicht der Moment, sie zu suchen. Es lohnt sich, die Nummer vorher zu kennen.
Nach dem Notfall
Ein überstandener Notfall ist ein Einschnitt, und zwar für die betroffene Person wie für die, die dabei waren. Für Betroffene ist er häufig der Moment, in dem Veränderung möglich wird; Fachleute sprechen von einem Fenster, das sich öffnet und wieder schließt. Krankenhäuser haben Sozialdienste und zunehmend Suchtberatung auf Station, die den Kontakt zur Hilfe herstellen. Nehmen Sie dieses Angebot an oder wenden Sie sich in den Tagen danach an eine Beratungsstelle; was als nächstes sinnvoll ist, lässt sich dort in Ruhe klären.
Angehörige und Zeugen eines Notfalls dürfen ebenfalls Hilfe annehmen. Die Bilder bleiben im allgemeinen länger als gedacht. Beratungsstellen, Hausärzte und bei Bedarf die Telefonseelsorge sind auch dafür da. Mehr zu den regulären Hilfewegen auf der Seite Passende Hilfe bei Suchtproblemen finden.
Quellen und Stand
- 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst (Zuständigkeit, Abgrenzung zum Notruf)
- BIÖG, drugcom.de: Drogenlexikon (substanzbezogene Notfallzeichen)
- Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon
- Telefonseelsorge Deutschland (Rufnummern, Chat, Mail)
Autor: Redaktion PrevNet. Veröffentlicht am 2. Oktober 2026, letzte inhaltliche Prüfung durch die Redaktion am 2. Oktober 2026. Eine medizinische Fachprüfung durch externe Expertinnen oder Experten hat für diesen Artikel noch nicht stattgefunden.
Fragen, die oft gestellt werden
Bekomme ich Ärger, wenn ich bei einer Überdosis den Notruf rufe?
Rettungskräfte und Notärzte sind da, um zu helfen, nicht um zu ermitteln. Sie unterliegen der Schweigepflicht. Ob die Polizei hinzukommt, hängt vom Einzelfall ab, etwa bei Gewalt oder im öffentlichen Raum; die Angst davor darf nie dazu führen, dass ein Notruf unterbleibt. Ein Menschenleben wiegt schwerer als jede mögliche Konsequenz.
Woran erkenne ich eine Alkoholvergiftung?
Warnzeichen sind Verwirrtheit, Erbrechen, sehr langsame oder unregelmäßige Atmung, kalte, blasse oder bläuliche Haut, Krampfanfälle und vor allem fehlende Reaktion auf Ansprache oder Schmerzreize. Eine bewusstlose Person kann an Erbrochenem ersticken oder auskühlen. Wählen Sie den Notruf 112, legen Sie die Person in die stabile Seitenlage und bleiben Sie bei ihr.
Was ist der Unterschied zwischen 112 und 116 117?
Die 112 ist der Notruf für lebensbedrohliche Situationen: Bewusstlosigkeit, Atemnot, Krampfanfälle, Brustschmerzen, schwere Verletzungen. Die 116 117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst für dringende Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten, bei denen keine Lebensgefahr besteht, die aber nicht bis zum nächsten Werktag warten können. Im Zweifel gilt immer die 112.
Was tun, wenn jemand Suizidgedanken äußert?
Nehmen Sie es ernst, fragen Sie direkt nach und bleiben Sie bei der Person. Bei akuter Gefahr wählen Sie den Notruf 112 oder bringen die Person in eine psychiatrische Klinik. Rund um die Uhr erreichbar ist die Telefonseelsorge unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123, kostenfrei und anonym. Sie ist auch für Angehörige da.
Ist ein Entzug ein Notfall?
Ein geplanter Entzug ist kein Notfall, sondern eine Behandlung, die ärztlich vorbereitet wird. Zum Notfall wird er, wenn bei Alkohol- oder Benzodiazepinentzug Krampfanfälle, Verwirrtheit, Halluzinationen oder hohes Fieber auftreten. Dann gilt die 112. Wer über längere Zeit viel getrunken hat, sollte deshalb nicht ohne ärztliche Rücksprache abrupt aufhören.
Im Zweifel: 112.
Für alles, was danach kommt, gibt es Beratungsstellen, Onlineberatung und Telefon. Alle genannten Dienste werden von externen Trägern betrieben.