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Kratom: Wirkung, Abhängigkeit und Risiken der Pflanzendroge

Kratom wird online als natürliches Mittel gegen Schmerzen, Müdigkeit oder Angst angeboten. Was das Pulver tatsächlich bewirkt, warum es abhängig machen kann und wo es Unterstützung gibt.

Kratom ist ein grünes Pulver aus den Blättern eines tropischen Baumes aus Südostasien. In Onlineshops wird es als pflanzliche Alternative zu Kaffee, Schmerzmitteln oder Beruhigungsmitteln angepriesen, oft mit dem Hinweis, es sei natürlich und legal. Tatsächlich wirken seine Inhaltsstoffe im Gehirn ähnlich wie Opioide, können abhängig machen und Organe schädigen. Diese Seite erklärt, was Kratom ist, wie es wirkt, welche Risiken bekannt sind, was rechtlich gilt und wo Menschen Hilfe finden, die nicht mehr davon loskommen.

Was Kratom ist

Kratom stammt von Mitragyna speciosa, einem Baum aus der Familie der Kaffeegewächse, der in Thailand, Malaysia, Indonesien und anderen Ländern Südostasiens wächst. Dort werden die Blätter traditionell gekaut oder als Tee getrunken, etwa von Feldarbeitern gegen Erschöpfung. In Europa und Nordamerika wird Kratom vor allem als getrocknetes, fein gemahlenes Pulver verkauft, seltener als Kapseln, Extrakt oder Tee.

Die wichtigsten Wirkstoffe sind die Alkaloide Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin. Sie binden an die Opioidrezeptoren im Gehirn, also an dieselben Stellen, an denen auch Morphin, Heroin oder Schmerzmittel wie Oxycodon wirken. Der Gehalt an Wirkstoffen schwankt je nach Sorte, Herkunft und Verarbeitung stark. Hinzu kommen Extrakte und angereicherte Produkte, die deutlich stärker sind als das Blattpulver. In Online-Foren werden Sorten nach Farben unterschieden, wissenschaftlich belegt sind diese Unterschiede im wesentlichen nicht. Auch das Etikett Pflanzendroge täuscht: Pflanzlich bedeutet nicht mild, wie Opium, Kokablätter oder Tabak zeigen.

Wirkung

Kratom hat eine ungewöhnliche, mengenabhängige Wirkung. In kleinen Mengen wirkt es eher anregend: wacher, gesprächiger, konzentrierter, ähnlich wie starker Kaffee. In größeren Mengen überwiegt die opioidähnliche Wirkung. Dann wirkt Kratom schmerzlindernd, beruhigend, angstlösend und leicht euphorisierend, macht schläfrig und kann Übelkeit auslösen. Die Wirkung setzt etwa zwanzig bis vierzig Minuten nach der Einnahme ein und hält einige Stunden an.

Genau diese Mischung macht Kratom für viele Menschen attraktiv. Sie nutzen es morgens zum Wachwerden, abends zum Abschalten, gegen chronische Schmerzen, Angst oder depressive Stimmung. Wer zum ersten mal Kratom probiert, erlebt oft vor allem Übelkeit. Die angenehmen Effekte stehen im Vordergrund, wenn sich der Körper daran gewöhnt hat, und damit beginnt auch die Gefahr einer Abhängigkeit.

Risiken

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat im Juli 2025 vor Kratom gewarnt. Studien deuten darauf hin, dass es schädliche neurologische Wirkungen haben kann, darunter Abhängigkeit und Entzugssyndrome, und Leber und Nieren schädigen kann. Berichtet werden Krampfanfälle, eine gedämpfte Atmung, Muskelsteifigkeit, Erbrechen, Schwindel und Herz-Kreislauf-Probleme. Auch Todesfälle im Zusammenhang mit Kratom sind bekannt, wobei die genauen Zusammenhänge oft unklar sind, weil häufig weitere Substanzen beteiligt waren.

Besonders gefährlich ist die Kombination mit anderen dämpfenden Stoffen wie Alkohol, Benzodiazepinen, Opioiden oder bestimmten Antidepressiva und Schlafmitteln. Hier können sich die Wirkungen verstärken. Ein weiteres Risiko sind Verunreinigungen. Weil Kratom nicht als Lebensmittel oder Arzneimittel kontrolliert wird, gibt es keine Qualitätssicherung. In Untersuchungen wurden Produkte mit Schwermetallen, Keimen oder zugesetzten Wirkstoffen gefunden. Ausführlich zu Wechselwirkungen die Seite Mischkonsum.

Bei längerer, regelmäßiger Einnahme berichten Betroffene von Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Verstopfung, Schlafstörungen, dunkler Verfärbung der Haut im Gesicht und einem verminderten sexuellen Verlangen. Hinweise auf Leberschäden wie gelbe Haut oder Augen und dunkler Urin sind ein Grund für eine sofortige ärztliche Untersuchung.

Im Notfall: Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, Atemprobleme oder starke Verwirrtheit nach Kratom, besonders in Kombination mit anderen Substanzen, sind ein medizinischer Notfall. Wählen Sie den Notruf 112. Mehr auf der Seite Medizinische Notfälle und dringende Hilfe.

Abhängigkeit und Entzug

Weil Kratom an den Opioidrezeptoren wirkt, kann es eine körperliche und psychische Abhängigkeit auslösen. Der Körper gewöhnt sich an die Wirkstoffe, für dieselbe Wirkung braucht es mehr, und ohne Kratom treten Entzugssymptome auf. Viele Betroffene nehmen es schließlich mehrmals täglich, nicht mehr wegen der angenehmen Wirkung, sondern um die Beschwerden des Entzugs zu vermeiden. Dieser Verlauf ist im allgemeinen schleichend, weil Kratom zunächst wie ein harmloses Naturprodukt wirkt.

Der Entzug ähnelt einem milden bis mittelschweren Opioidentzug. Typisch sind Muskel- und Knochenschmerzen, Unruhe, Gereiztheit bis hin zu Aggression, Schlaflosigkeit, Schwitzen, laufende Nase, Durchfall und starkes Verlangen. Die körperlichen Beschwerden klingen meist nach etwa einer Woche ab, Stimmungstiefs und Verlangen halten länger an. Wer über Monate hohe Mengen genommen hat, sollte den Entzug nicht allein angehen, sondern sich ärztlich begleiten lassen. PrevNet gibt keine Hinweise zum Ausschleichen oder zu Dosierungen.

Kratom zur Selbstbehandlung

Viele Menschen kommen nicht über die Partyszene zu Kratom, sondern über Schmerzen, Erschöpfung oder psychische Belastungen. Sie suchen eine Alternative zu verschriebenen Medikamenten, haben schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem gemacht oder wollen von Opioiden loskommen. Wer Kratom nimmt um chronische Schmerzen, Angst oder einen Opioidentzug selbst zu behandeln, verdient Verständnis. Die Selbstbehandlung hat aber erhebliche Nachteile: unklare Dosis, keine Qualitätskontrolle, keine Behandlung der Ursache und ein reales Risiko, eine neue Abhängigkeit zu entwickeln.

Menschen die von Opioiden wie Heroin oder Schmerzmitteln loskommen wollen, haben mit der Substitution eine wirksame, ärztlich begleitete Möglichkeit. Bei chronischen Schmerzen helfen spezialisierte Schmerzambulanzen, bei Angst und Depression psychotherapeutische und ärztliche Behandlung. Die Frage ob Kratom kurzfristig hilft, ist deshalb weniger wichtig als die Frage, welche Behandlung langfristig trägt. Eine gute Hausärztin oder ein Hausarzt ist dafür ein sinnvoller erster Ansprechpartner, auch wenn frühere Erfahrungen enttäuschend waren. Offen über den bisherigen Kratomkonsum zu sprechen, hilft dabei, Wechselwirkungen mit künftigen Medikamenten zu vermeiden.

Rechtslage

Kratom ist in Deutschland nicht im Betäubungsmittelgesetz aufgeführt. Es ist weder als Arzneimittel noch als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Ein Gericht in Köln entschied 2015, dass der Verkauf nicht automatisch gegen Arzneimittel- oder Lebensmittelrecht verstößt; es kommt darauf an, wie das Produkt vermarktet wird. Deshalb wird Kratom häufig mit Hinweisen wie nicht zum Verzehr geeignet verkauft. In anderen europäischen Ländern ist Kratom teils verboten. Legal erhältlich bedeutet in diesem Fall ausdrücklich nicht geprüft oder unbedenklich.

Anzeichen eines Problems

  • Kratom wird täglich eingenommen, oft mehrmals am Tag.
  • Die Menge ist im Lauf der Zeit gestiegen.
  • Ohne Kratom treten Schmerzen, Unruhe, Gereiztheit oder Schlaflosigkeit auf.
  • Es wird regelmäßig größere Mengen auf Vorrat bestellt, aus Angst, ohne dazustehen.
  • Versuche, zu reduzieren oder aufzuhören, scheitern nach kurzer Zeit.

Ob eine Abhängigkeit entstanden ist, zeigt sich ob ein einziger Tag ohne Kratom bereits zur Herausforderung wird. Angehörige bemerken des öfteren zuerst die Pakete und die Gereiztheit, wenn der Vorrat zur Neige geht.

Hilfe

Suchtberatungsstellen kennen Kratom inzwischen gut und beraten vertraulich und kostenlos. Sie helfen, die eigene Situation einzuschätzen, einen sicheren Ausstieg zu planen und, wenn nötig, eine ärztliche Begleitung oder einen stationären Entzug zu organisieren. Als nächstes geht es meist darum, für die ursprünglichen Beschwerden wie Schmerzen, Angst oder Erschöpfung eine tragfähige Behandlung zu finden. Entscheidend ist ob dieser zweite Schritt gelingt, sonst bleibt die Lücke, die Kratom gefüllt hat.

Wer zusätzlich Opioide oder andere Medikamente genommen hat, sollte das in der Beratung offen ansprechen. Mehr zur Behandlung opioidbezogener Abhängigkeiten auf der Seite Opioide.

Quellen und Stand

  1. Pharmazeutische Zeitung: BfArM warnt vor pflanzlicher Droge Kratom (Warnung vom Juli 2025, Rechtsstatus, Risiken)
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung: Kratom-Zubereitungen können Gesundheitsbeschwerden hervorrufen (gesundheitliche Bewertung)
  3. Verbraucherzentrale: Kratom, erhebliches Risiko (Verbraucherinformation)
  4. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Suchthilfeverzeichnis (Beratungsstellen)

Autor: Redaktion PrevNet. Veröffentlicht am 3. Oktober 2026, letzte inhaltliche Prüfung durch die Redaktion am 3. Oktober 2026. Eine medizinische Fachprüfung durch externe Expertinnen oder Experten hat für diesen Artikel noch nicht stattgefunden.

Häufige Fragen

Fragen, die oft gestellt werden

Ist Kratom in Deutschland legal?

Kratom steht nicht im Betäubungsmittelgesetz und ist auch nicht als Arzneimittel oder Lebensmittel zugelassen. Es bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone und wird häufig als Räucherware oder nicht zum Verzehr bestimmtes Produkt verkauft. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat im Juli 2025 ausdrücklich vor Kratom gewarnt.

Ist Kratom ein Opioid?

Kratom ist keine Opioidpflanze wie der Schlafmohn. Seine Hauptwirkstoffe, vor allem Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin, wirken aber an denselben Rezeptoren im Gehirn wie Opioide. Deshalb ähneln Wirkung, Abhängigkeit und Entzug in höheren Mengen denen von Opioiden.

Hilft Kratom beim Opioidentzug?

Manche Menschen nutzen Kratom, um Entzugssymptome von Heroin oder Schmerzmitteln zu lindern. Das ist keine anerkannte Behandlung. Es fehlen kontrollierte Dosierung, Qualitätssicherung und medizinische Begleitung, und viele tauschen am Ende nur eine Abhängigkeit gegen eine andere. Für den Opioidentzug gibt es wirksame, ärztlich begleitete Behandlungen wie die Substitution.

Wie lange dauert ein Kratomentzug?

Die körperlichen Beschwerden setzen meist innerhalb eines Tages nach der letzten Einnahme ein und dauern etwa eine Woche. Typisch sind Muskel- und Gliederschmerzen, Unruhe, Schlafstörungen, Reizbarkeit, laufende Nase und Durchfall. Stimmungstiefs und Verlangen können länger anhalten. Bei langer, hoher Einnahme sollte der Entzug ärztlich begleitet werden.

Kann Kratom die Leber schädigen?

Ja, es gibt Berichte über Leberschäden im Zusammenhang mit Kratom, teils schwer. Auch Nierenschäden werden beschrieben. Wer Kratom genommen hat und Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunklen Urin, starke Müdigkeit oder Bauchschmerzen bemerkt, sollte umgehend ärztlich untersucht werden.

Nächster Schritt

Natürlich heißt nicht harmlos.

Beratungsstellen unterstützen beim Ausstieg aus dem Kratomkonsum und bei der Suche nach einer Behandlung der eigentlichen Beschwerden. Die Angebote stammen von externen Trägern.