Drogen · GHB und GBL

GHB und GBL: Liquid Ecstasy, Risiken und Entzug

GHB und GBL wirken entspannend und enthemmend, aber die Grenze zur Bewusstlosigkeit ist hauchdünn. Was Konsumierende wissen sollten, warum der Entzug gefährlich ist und was nach K.o.-Tropfen zu tun ist.

GHB, umgangssprachlich Liquid Ecstasy oder einfach G, ist eine Substanz mit zwei Gesichtern. In der Party- und Chemsex-Szene wird sie wegen ihrer entspannenden, euphorisierenden und enthemmenden Wirkung genutzt. Als K.o.-Tropfen wird sie missbraucht, um Menschen wehrlos zu machen. Ihre chemische Vorstufe GBL ist eine Industriechemikalie, die im Körper zu GHB wird. Diese Seite erklärt, wie GHB und GBL wirken, warum Überdosierungen so häufig sind, warum eine Abhängigkeit besonders gefährlich ist und was bei Verdacht auf K.o.-Tropfen hilft.

Was GHB und GBL sind

GHB steht für Gamma-Hydroxybuttersäure. Die Substanz kommt in kleinen Mengen natürlich im Körper vor und wurde ursprünglich als Narkosemittel entwickelt. Als Medikament ist sie heute nur noch in eng begrenzten Anwendungen zugelassen, etwa bei der Schlafkrankheit Narkolepsie. Auf dem illegalen Markt wird GHB meist als farblose, leicht salzig oder seifig schmeckende Flüssigkeit gehandelt und in kleinen Mengen getrunken, oft mit Saft oder Softdrinks verdünnt.

GBL steht für Gamma-Butyrolacton und wird industriell als Lösungs- und Reinigungsmittel verwendet, etwa zum Entfernen von Graffiti oder Lack. Im Körper wird GBL innerhalb weniger Minuten in GHB umgewandelt. Weil es lange legal erhältlich war, wurde es zur häufigsten Form von G. GBL wirkt schneller und stärker als GHB und ist pur stark ätzend. Eine weitere Vorstufe ist 1,4-Butandiol mit ähnlicher Wirkung.

Wirkung

Die Wirkung setzt nach etwa zehn bis zwanzig Minuten ein und hält ein bis drei Stunden an. In niedriger Menge wirkt G ähnlich wie Alkohol: entspannend, angstlösend, gesellig und enthemmend. Viele erleben ein gesteigertes Bedürfnis nach Nähe und sexuelle Erregung, weshalb G beim Chemsex eine große Rolle spielt. Mit steigender Menge kommen Schwindel, Übelkeit, Muskelzucken, verwaschene Sprache und starke Müdigkeit hinzu.

Weil die Wirkung verzögert eintritt und schnell wieder nachlässt, wird im allgemeinen in kurzen Abständen nachdosiert. Wer G nimmt um die Wirkung über eine ganze Nacht zu halten, nimmt alle ein bis zwei Stunden eine neue Menge. Genau hier entstehen die meisten Notfälle, weil sich die Wirkung von Resten der vorherigen Einnahme mit der neuen überlagert.

Über­dosierung und G-Schlaf

Bei G liegt die Menge, die angenehm wirkt, sehr nah an der Menge, die zu tiefer Bewusstlosigkeit führt. Schon ein Milliliter zu viel kann reichen. In der Szene spricht man vom G-Schlaf oder Gehen. Betroffene sind dann nicht mehr weckbar, oft über Stunden. Gefährlich wird es, wenn sie dabei erbrechen und das Erbrochene einatmen, wenn die Atmung zu flach wird oder wenn sie in dieser Lage unbeobachtet bleiben. Typisch ist, dass die Person plötzlich wieder aufwacht und verwirrt oder aggressiv ist.

Besonders riskant ist die Kombination mit Alkohol. Beide Substanzen dämpfen das Atemzentrum und verstärken sich gegenseitig. Auch Benzodiazepine, Opioide und Ketamin erhöhen das Risiko einer lebensgefährlichen Atemdepression erheblich. Ausführlich dazu die Seite Mischkonsum.

Im Notfall: Ist eine Person nach G-Konsum nicht weckbar, atmet sie schlecht oder unregelmäßig oder erbricht sie, wählen Sie sofort den Notruf 112. Bringen Sie sie in die stabile Seitenlage, damit sie nicht an Erbrochenem erstickt, und bleiben Sie bei ihr. Geben Sie nichts zu trinken und versuchen Sie nicht, sie mit Kaffee oder kaltem Wasser wach zu machen. Sagen Sie dem Rettungsdienst offen, was genommen wurde. Mehr auf der Seite Medizinische Notfälle und dringende Hilfe.

Abhängigkeit von G

G kann schnell zu einer körperlichen Abhängigkeit führen, die der Alkoholabhängigkeit ähnelt, aber deutlich rascher und heftiger verläuft. Weil die Wirkung nur wenige Stunden anhält, nehmen Abhängige G oft rund um die Uhr, auch nachts, alle ein bis drei Stunden. Ohne regelmäßige Einnahme treten innerhalb kurzer Zeit Unruhe, Zittern, Schwitzen, Herzrasen und Angst auf. Viele beginnen mit G in der Partyszene, nutzen es des öfteren dann auch zum Einschlafen oder gegen Angst und geraten so in einen Kreislauf, der den ganzen Tag bestimmt.

Menschen die täglich G nehmen, berichten von Gedächtnislücken, Konzentrationsproblemen, Angstzuständen, depressiven Verstimmungen und sozialem Rückzug. Ob eine Abhängigkeit besteht, zeigt sich ob schon wenige Stunden ohne G zu körperlichen Beschwerden führen. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, Hilfe zu suchen, und zwar nicht für einen Selbstentzug, sondern für eine begleitete Behandlung.

Ein gefährlicher Entzug

Der Entzug von GHB und GBL gehört zu den gefährlichsten Entzügen überhaupt. Er beginnt oft schon wenige Stunden nach der letzten Einnahme. Es kommt zu starkem Zittern, Herzrasen, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Angst und Unruhe. Innerhalb von ein bis zwei Tagen kann sich ein Entzugssyndrom mit Halluzinationen, Verwirrtheit, Krampfanfällen und einem Delir entwickeln, das lebensbedrohlich ist und intensivmedizinische Behandlung erfordern kann.

Deshalb gilt: Niemand mit regelmäßigem G-Konsum sollte allein und plötzlich aufhören. Der Entzug gehört in eine Klinik, die Erfahrung mit GHB und GBL hat. Dort wird er medikamentös abgesichert und eng überwacht. Die Frage ob ein Entzug ambulant oder stationär erfolgen sollte, stellt sich bei G im wesentlichen nicht: Bei täglichem Konsum ist eine stationäre Behandlung der sichere Weg. Ein Anruf bei einer Suchtberatungsstelle oder in der Notaufnahme klärt, wie es weitergeht. PrevNet gibt keine Hinweise zu Dosierung oder Ausschleichen.

K.o.-Tropfen

GHB und GBL sind die bekanntesten Substanzen, die als K.o.-Tropfen missbraucht werden. Sie werden unbemerkt in Getränke gemischt, um Menschen zu betäuben und dann zu bestehlen oder sexuell zu missbrauchen. In Getränken sind sie kaum herauszuschmecken. Nach etwa zehn bis zwanzig Minuten fühlen sich Betroffene plötzlich übermäßig betrunken, schwindelig und benommen, oft in keinem Verhältnis zu dem, was sie getrunken haben. Später fehlen häufig Erinnerungen an Stunden.

  • Getränke nicht unbeaufsichtigt stehen lassen und keine offenen Getränke von Fremden annehmen.
  • Aufeinander achten: Wer plötzlich stark benommen wirkt, braucht Begleitung, nicht ein Taxi allein.
  • Bei Verdacht sofort Personal, Freundinnen oder Freunde informieren und den Notruf 112 wählen.
  • So schnell wie möglich ärztlich untersuchen lassen; GHB ist nur wenige Stunden nachweisbar.
  • Den ersten Urin nach dem Vorfall in einem sauberen Gefäß aufbewahren.

Wer zum ersten mal den Verdacht hat, Opfer von K.o.-Tropfen geworden zu sein, fühlt sich oft unsicher, ob die eigene Wahrnehmung stimmt. Diese Unsicherheit ist typisch und kein Grund, nichts zu tun. Betroffene können Anzeige bei der Polizei erstatten und sich beraten lassen. Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar, kostenlos und auf Wunsch anonym. Auch Frauennotrufe und Opferberatungsstellen helfen, unabhängig davon, ob eine Anzeige erstattet wird. Diese Angebote sind extern.

Rechtslage

GHB ist in Deutschland ein Betäubungsmittel. Besitz, Handel und Weitergabe außerhalb der medizinischen Anwendung sind strafbar. GBL und 1,4-Butandiol waren lange als Industriechemikalien frei erhältlich. Mit der Änderung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes, die seit April 2026 gilt, sind Herstellung, Handel und Inverkehrbringen von Produkten mit mehr als 20 Prozent GBL oder 1,4-Butandiol verboten, sofern sie nicht industriellen oder wissenschaftlichen Zwecken dienen. Mit demselben Gesetz wurde auch der Verkauf von Lachgas eingeschränkt. Wer jemandem ohne sein Wissen G verabreicht, macht sich unabhängig davon strafbar.

Hilfe und Behandlung

Für Menschen mit regelmäßigem G-Konsum ist der erste Schritt ein Gespräch mit einer Drogen- oder Suchtberatungsstelle, einer Chemsex-Beratung oder einer Ärztin. Dort lässt sich klären, wie ein sicherer Entzug organisiert werden kann. Nach dem Entzug folgt idealerweise eine Entwöhnungsbehandlung oder ambulante Begleitung, weil die Rückfallgefahr in den ersten Monaten hoch ist. Entscheidend ist ob es gelingt, die Situationen zu verändern, in denen G bisher genommen wurde, etwa Partys, Sexdates oder schlaflose Nächte.

Viele Betroffene schämen sich, über G und Sexualität zu sprechen. Beratungsstellen, Aidshilfen und spezialisierte Chemsex-Angebote kennen diese Lebenswelten und arbeiten ohne Moralisieren. Im übrigen ist es nie zu spät, Hilfe anzunehmen, auch nach mehreren Rückfällen. Mehr zu den Angeboten auf der Seite Hilfe finden.

Quellen und Stand

  1. Bundesministerium für Gesundheit: Bundestag verabschiedet Verbot von Lachgas und K.O.-Tropfen (Regelung zu GBL und 1,4-Butandiol)
  2. DAK: GHB und GBL, Wirkung und Risiken (Wirkung, Überdosierung, Entzug)
  3. BIÖG, drugcom.de: Drogenlexikon (GHB, GBL, Mischkonsum)
  4. Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (Beratung nach K.o.-Tropfen und sexualisierter Gewalt)

Autor: Redaktion PrevNet. Veröffentlicht am 3. Oktober 2026, letzte inhaltliche Prüfung durch die Redaktion am 3. Oktober 2026. Eine medizinische Fachprüfung durch externe Expertinnen oder Experten hat für diesen Artikel noch nicht stattgefunden.

Häufige Fragen

Fragen, die oft gestellt werden

Was ist der Unterschied zwischen GHB und GBL?

GHB ist der eigentliche Wirkstoff. GBL ist eine Industriechemikalie, die der Körper nach der Einnahme in GHB umwandelt. GBL wirkt deshalb schneller, stärker und länger. Beide werden in der Szene als G bezeichnet. GHB ist ein Betäubungsmittel, für GBL gelten seit April 2026 strengere Regeln: Produkte mit mehr als 20 Prozent GBL dürfen nicht mehr gehandelt werden, außer für industrielle und wissenschaftliche Zwecke.

Warum ist GHB so schwer zu dosieren?

Weil zwischen der gewünschten Wirkung und Bewusstlosigkeit nur eine sehr kleine Mengendifferenz liegt. Dazu kommen schwankende Konzentrationen der Flüssigkeit, verzögerter Wirkeintritt, der zum Nachlegen verleitet, und Wechselwirkungen mit Alkohol. Schon ein Schluck zu viel kann in den sogenannten G-Schlaf führen.

Kann man den GHB-Entzug zu Hause machen?

Nein, davon raten Fachleute dringend ab. Bei regelmäßigem Konsum, besonders bei Einnahme rund um die Uhr, kann der Entzug innerhalb weniger Stunden schwer verlaufen, mit Krampfanfällen, Halluzinationen und Delir. Er gehört in eine Klinik mit Erfahrung in der Behandlung von GHB- und GBL-Abhängigkeit.

Wie lange lässt sich GHB nach K.o.-Tropfen nachweisen?

Nur wenige Stunden, im Urin meist etwas länger als im Blut. Deshalb ist es wichtig, bei Verdacht so schnell wie möglich eine Notaufnahme oder Polizei aufzusuchen und den ersten Urin nach dem Vorfall aufzubewahren. Auch wenn kein Nachweis mehr gelingt, haben Betroffene ein Recht auf Hilfe und Beratung.

Ich habe Angst, dass mir jemand etwas ins Getränk getan hat. Was soll ich tun?

Sagen Sie Freundinnen, Freunden oder dem Personal sofort Bescheid, bleiben Sie nicht allein und lassen Sie sich nicht von Fremden nach Hause bringen. Bei Unwohlsein, Schwindel oder Benommenheit den Notruf 112 wählen. Danach können Sie Anzeige erstatten und sich beraten lassen, zum Beispiel beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016.

Nächster Schritt

Bei G zählt Sicherheit mehr als Stolz.

Wer regelmäßig G nimmt, findet bei Beratungsstellen Unterstützung für einen sicheren Ausstieg. Die Angebote stammen von externen Trägern.