Sucht-Selbsthilfe und ihre Bedeutung erklärt
Was Selbsthilfegruppen in der Suchthilfe leisten, welche Formen es gibt, warum der Austausch mit Gleichen wirkt, wie ein erster Besuch abläuft und wie man eine passende Gruppe findet.
Kurz erklärt: Sucht-Selbsthilfe
Sucht-Selbsthilfe bezeichnet Gruppen, in denen Betroffene und Angehörige sich ohne professionelle Leitung gegenseitig unterstützen. Dazu gehören Verbände der Wohlfahrtspflege, Anonyme Alkoholiker, Anonyme Spieler und viele freie Gruppen. Sie begleitet oft über Jahre, ist kostenlos und ergänzt Beratung und Behandlung, ersetzt sie aber nicht.
Definition nach den auf dieser Seite genannten Quellen. Eine Definition ist kein Diagnosetest.Was Sucht-Selbsthilfe bedeutet
Sucht-Selbsthilfe bezeichnet Gruppen, in denen sich Menschen mit Suchterkrankungen und ihre Angehörigen gegenseitig unterstützen, ohne professionelle Leitung und ohne Kosten. Die Bedeutung liegt im Wort selbst: Betroffene helfen sich selbst und einander, aus eigener Erfahrung heraus. Selbsthilfe ist die älteste Säule der Suchthilfe; die ersten Gruppen entstanden lange vor Beratungsstellen und Fachkliniken, und sie trägt bis heute viele Menschen über Jahre und Jahrzehnte.
Selbsthilfe ersetzt weder Beratung noch Behandlung, ergänzt sie aber in einem Punkt, den Fachleute nicht bieten können: das Gespräch mit Menschen, die dasselbe erlebt haben. Wer in eine Gruppe geht trifft keine Experten, sondern Gleiche.
Welche Gruppen es gibt
| Form | Merkmale | Beispiele |
|---|---|---|
| Verbandliche Selbsthilfe | Gruppen unter dem Dach der Wohlfahrtsverbände, oft mit Schulungen für Gruppenleitende, offen für alle Suchtformen und Angehörige | Blaues Kreuz, Kreuzbund, Guttempler, Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe |
| Zwölf-Schritte-Gruppen | Anonyme Gruppen nach einem festen Programm, international verbreitet, ohne Verband und ohne Mitgliedschaft | Anonyme Alkoholiker, Narcotics Anonymous, Anonyme Spieler |
| Angehörigengruppen | Für Partner, Eltern, Kinder und Freunde von Suchtkranken, unabhängig davon, ob die betroffene Person Hilfe annimmt | Al-Anon, Angehörigengruppen der Verbände, Gruppen für erwachsene Kinder |
| Themenspezifische Gruppen | Für einzelne Suchtformen oder Lebenslagen | Gruppen für Glücksspiel, Medikamente, Frauen, junge Erwachsene, Substituierte |
| Freie und Online-Gruppen | Unabhängig organisiert, oft über Selbsthilfekontaktstellen vermittelt; zunehmend auch Videotreffen | Regionale Gruppen, moderierte Onlineangebote der Verbände |
Die Gruppen unterscheiden sich in Ton und Ablauf erheblich. Manche arbeiten mit festen Ritualen, andere sind offene Gesprächsrunden. Manche setzen Abstinenz voraus, andere nehmen auch Menschen auf, die noch konsumieren oder substituiert sind. Es lohnt sich, mehrere auszuprobieren.
Warum Selbsthilfe wirkt
Der Grund warum Selbsthilfe so wirksam ist, liegt in mehreren Dingen zugleich. Verständnis: In der Gruppe muss niemand erklären, wie sich Craving anfühlt oder warum man nach drei Jahren plötzlich wieder getrunken hat. Vorbilder: Menschen die seit zehn Jahren abstinent leben, zeigen, dass es geht. Verbindlichkeit: Der wöchentliche Termin strukturiert und erinnert. Ehrlichkeit: In der Gruppe fällt Verharmlosen schwer, weil die anderen die Muster kennen. Und Sinn: Wer anderen hilft, stärkt die eigene Abstinenz. Studien zeigen, dass regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfe nach einer Behandlung die Rückfallrate senkt, im allgemeinen umso stärker, je länger und regelmäßiger die Teilnahme ist.
Selbsthilfe wirkt auch dort, wo das Hilfesystem endet: in der Nachsorge nach der Klinik, in den Jahren danach, an Wochenenden und Feiertagen, wenn Beratungsstellen geschlossen haben. Viele Gruppen haben Telefonketten für Krisen.
Wie ein Gruppenbesuch abläuft
Die meisten Gruppen treffen sich wöchentlich für ein bis zwei Stunden, oft in Gemeindehäusern, Beratungsstellen oder Räumen der Verbände. Eine Anmeldung ist meist nicht nötig, Kosten entstehen nicht. Beim ersten Besuch darf man zuhören; niemand muss sprechen, niemand muss sich als abhängig bezeichnen. Was in der Gruppe gesagt wird, bleibt dort. Die Frage ob eine Gruppe passt, lässt sich nach zwei oder drei Besuchen beantworten; der erste Eindruck täuscht des öfteren, weil die eigene Nervosität alles überlagert. Wer zum ersten mal geht, kann vorher bei der Kontaktperson anrufen; die Nummern stehen bei den Selbsthilfekontaktstellen und Beratungsstellen.
Beispiele aus dem Alltag
Beispielhafte Situationen, keine echten Personen. Ein Mann kommt nach der Entwöhnung zurück in seine Stadt und kennt dort niemanden mehr, der nicht trinkt. Er geht zu einer Freundeskreis-Gruppe, zunächst skeptisch. Nach einigen Monaten zeigt sich ob die Gruppe trägt: Sie ist der Ort, an dem er Freitagabends hingeht statt in die Kneipe, und zwei der Teilnehmer sind inzwischen Freunde geworden.
Eine Frau, deren Mann trinkt, besucht eine Al-Anon-Gruppe, obwohl ihr Mann keine Hilfe will. Sie lernt dort, was sie beeinflussen kann und was nicht, setzt Grenzen und holt sich ihr eigenes Leben zurück. Ob ihr Mann irgendwann aufhört, weiß sie nicht. Dass sie selbst im großen und ganzen wieder gut lebt, verdankt sie der Gruppe.
Eine Gruppe finden
Suchtberatungsstellen kennen die Gruppen vor Ort und vermitteln gern. Die Selbsthilfekontaktstellen der Kommunen führen Verzeichnisse aller Selbsthilfegruppen, nicht nur zu Sucht. Die großen Verbände haben Gruppensuchen auf ihren Websites, die Zwölf-Schritte-Gemeinschaften ebenfalls. Das DHS-Suchthilfeverzeichnis listet Selbsthilfeangebote mit. Wer im ländlichen Raum keine passende Gruppe findet, kann Onlinegruppen nutzen, die seit einigen Jahren stark gewachsen sind. Verwandte Begriffe erklärt PrevNet unter Rückfall und Co-Abhängigkeit. Was als nächstes sinnvoll ist, zeigt sich meist beim ersten Besuch.
Verwandte Begriffe und Artikel
Im Glossar: Rückfall, Abstinenz, Co-Abhängigkeit, Entwöhnungsbehandlung. Zur Glossarübersicht mit allen 20 Begriffen.
Passende Hauptartikel: Hilfe finden, Angehörige, Sucht im Alter.
Quellen und Stand
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Suchthilfeverzeichnis (Selbsthilfeangebote)
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Angehörige und Mitbetroffene (Angehörigenselbsthilfe)
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Alkohol (Selbsthilfe nach der Behandlung)
Autor: Redaktion PrevNet. Veröffentlicht am 2. Oktober 2026, letzte inhaltliche Prüfung durch die Redaktion am 2. Oktober 2026. Eine medizinische Fachprüfung durch externe Expertinnen oder Experten hat für diesen Artikel noch nicht stattgefunden.
Fragen, die oft gestellt werden
Muss ich in der Gruppe reden?
Nein. Beim ersten Besuch darf man zuhören, und auch später zwingt niemand zum Sprechen. Die meisten merken nach einigen Treffen von selbst, dass sie etwas sagen möchten. Was gesagt wird, bleibt in der Gruppe.
Muss ich abstinent sein, um teilzunehmen?
Das hängt von der Gruppe ab. Viele Gruppen setzen Abstinenz als Ziel voraus, nicht als Eintrittsbedingung. Es gibt Gruppen für Menschen in Substitution und solche, die auch Konsumierende aufnehmen. Fragen Sie vorher bei der Kontaktperson nach.
Was kostet die Teilnahme?
Nichts. Selbsthilfegruppen sind kostenlos. Manche Verbände haben eine freiwillige Mitgliedschaft mit kleinem Beitrag, die Teilnahme an den Gruppen ist davon unabhängig.
Gibt es Gruppen für Angehörige?
Ja, viele. Al-Anon für Angehörige von Alkoholkranken, Angehörigengruppen der Suchtverbände, Gruppen für Eltern konsumierender Jugendlicher und für erwachsene Kinder aus suchtbelasteten Familien. Angehörige brauchen eigene Unterstützung, unabhängig davon, ob die betroffene Person Hilfe annimmt.
Verstehen ist der erste Schritt. Hilfe der zweite.
Beratungsstellen, Telefon und Onlineberatung helfen weiter, wenn ein Begriff plötzlich sehr persönlich wird. Alle Angebote stammen von externen Trägern.